„Merkel: wenn sowas in Japan passiert…“

Immer wieder höre ich derzeit von naiven und leichtgläubigen Menschen, die noch an die alte Propaganda aus den 80ern glauben, dass Tschernobyl nur die nähere Umgebung geschädigt hat. Und das zu einer Zeit, wo die alte strahlende Reaktorhülle am auseinanderbrechen ist. Es fragen mich junge Kollegen, wie lange sowas noch strahlt. Für uns, für immer.  Solange es uns auf der Erde geben wird.

Damals in Ostdeutschland hat man das verseuchte Obst und Gemüse zu Schleuderpreisen auf den Markt gebracht und über Monate, ja viele Jahre die Folgen der radioaktiven Seuche verschwiegen. Tausende Menschen feierten Nationalfeste, in den am schlimmsten kontaminierten Gebieten, ohne etwas davon zu ahnen. Wer mal nach Russland gereist ist, kann über dieses deutsche Vertrauen in die eigenen Kraftwerke und den Glauben das alles nicht so schlimm war, nur noch lachen, auch wir haben marode uralte Kraftwerke, ständig fatale Störfälle und Skandale. Niemand scheint hierzulande wirklich einen Ahnung zu haben, was Strahung an Spätfolgen auslöst. Ich dachte bisher das wäre Allgemeinbildung, aber weit gefehlt. Hier glaubt doch ne Menge Leute, das uns nix passiert weil wir so weit weg sind. Als ob nicht schon morgen ein paar Kilometer weiter nach einem Stromausfall dasselbe passieren könnte. Ich hab das noch nie verstanden, wie man das schlimmste Alptraumrisiko der Welt das zudem unsere ganze Zukunft zerstören kann, für ein bisschen Strom und Geld in Kauf nimmt. Und sich dann Sorgen um gesunde Ernährung macht oder Folgen von Zigarettenrauch. Für Strom und Geld! Erklärt mir das bitte.

Gerade war ich wieder auf meinen Liebligsblogs unterwegs und las diese traurige Geschichte über eine Frau, die als Kind in den Regen kam und einen kleinen Jungen, der die Farbe seiner Augen und Haare verlor,  weil er auf Regierungsbefehl alte Gebäude streichen musste, neben dem brennenden Reaktor: http://byelizabethcat.blogspot.com/2011/03/memories-of-chernobyl.html

Ich komm aus Baden-Würrtemberg. Hätten wir durch die meiden früh genug von der Katastrophe erfahren, hätte ich nicht als 5-jährige im sauren Regen gespielt. In den ersten jahren brachten wir vom Spielen immer wieder verkrüppelte, mutierte Blumen nach Hause. Unheimliche Löwenzähne, mit 3 bis 6,7 Köpfen an einem mehrfach geteiltem Blütenstamm, monströs groß. Nun durften wir auch nicht mehr Sauerampfer kauen, Kleeblüten auslutschen und Pilze aus dem Wald essen. Bilder von den Pflanzen die wir damals gesammelt haben wurden in der Zeitschrift „NATUR“ veröffentlicht.

Der Schwarzwald begann abzusterben. Schon immer haben mich diese lichten, abgestorbenen Stellen im Wald traurig gemacht. Manchmal glaubte ich, niemand ausser mir schaut hin. Ganze Bergkämme waren kahl, direkt neben dichtem, gesunden Wald. Und jder Sturm machte es schlimmer.

Irgendwie ging dieses unheimliche Gefühl, das was mit den Pflanzen und dem Boden nicht stimmt, nie mehr richtig weg.  Ich bekam Alpträume davon. Heute wohn ich woanders im Schwabenländle.

Hier gibt es einen medizinischen Bericht zum Thema Strahlenschäden in Russland und Deutschland:  http://www.ippnw.de/commonFiles/pdfs/Atomenergie/Gesundheitliche_Folgen_Tschernobyl.pdf . Kein Guttenberg: Alle Quellen sind in diesem Dokument aufgelistet, es liest sich leicht.

Viele glaube ja heute dass es uns in Deutschland nicht betroffen hat. Die Dunkelziffer ist hoch, aber zur Aufklärung mal ein Paar Beispiele, ein paar zusammengefasste Krankheiten die v.a. in Süddeutschland aufgetreten sind:

  • In höher belasteten Gebieten Süddeutschlands gab es eine signifikante Häufung eines sehr seltenen Tumors bei Kindern, des so genannten Neuroblastoms.
  • Zu signifikanten Anstiegen der Leukämieerkrankungen kam es in Deutschland (…)
  • Die Säuglingssterblichkeit (Perinatalsterblichkeit) hat in mehreren europäischen Ländern nach Tschernobyl zugenommen.
  • Auch genetische und teratogene Schäden (Fehlbildungen) haben in mehreren Ländern Europas signifikant zugenommen. Allein in Bayern kam es nach Tschernobyl zu 1.000 bis 3.000
    zusätzlichen Fehlbildungen.
  • In Berlin wurde 1986 ein ungewöhnlicher Anstieg der Säuglingssterblichkeit beobachtet.
  • Im Süden der Bundesrepublik, vor allem in Bayern und Baden-Württemberg, wo die höchsten Strahlenbelastungen nach Tschernobyl festgestellt worden waren, wurden
    deutlich mehr Todesfälle bei Neugeborenen registriert als in (nördlichen) Gebieten, in denen der radioaktive Niederschlag geringer war.
  • Insgesamt wird die Zahl der bisher durch Tschernobyl bedingten Schilddrüsenkrebsfälle in Europa (außerhalb der Grenzen der früheren Sowjetunion) zwischen 10.000
    und 20.000 liegen…
  • Im Januar 1987, neun Monate nach Tschernobyl, wurden in einem Labor für genetische Diagnostik in München (Dr. Klaus Waldenmeyer) bei Neugeborenen zwei- bis dreimal häufiger
    als üblich Trisomie 21 (Down-Syndrom)77 festgestellt.
  • Es zeigte sich in Bayern ein Unterschied in den Geburtenraten zwischen Südbayern und Nordbayern. In Südbayern, das vom Tschernobyl-Fallout stärker betroffen war als Nordbayern, war die Geburtenrate im Februar1987 signifikant um 11 Prozent gegenüber dem Erwartungswert erniedrigt. Das Geburtendefizit beträgt 615 Geburten. In Nordbayern zeigte sich nur eine 4-prozentige Abnahme, die nicht signifikant ist
  • Im Süden des Freistaates Bayern, der durch den radioaktiven Fallout vergleichsweise starkbelastet war, war die Fehlbildungsrate Ende 1987, sieben Monate nach der höchsten Cäsiumbelastung von Schwangeren, nahezu doppelt so hoch wie in Nordbayern.
  • Ein Jahr nach Tschernobyl aber kam es zu einem nie da gewesenen Anstieg von Fehlbildungen bei Tieren: Fehl- und Frühgeburten bei Kühen in Bayern und auf Korsika, Ferkel ohne Augen, Küken mit drei Beinen, Kaninchen ohne Beine, Schafe ohne Fell oder mit nur einem Auge, Fohlen mit fehlenden Hautpartien, Ziegenlämmer mit Korkenzieherbeinen oder offenem Bauch. Einige Züchter meldeten bis zu 40 Prozent Verluste an Jungtieren. Ziegen gelten als die strahlenempfindlichsten Nutztiere. 1987 wurden viele Zuchttiere nicht trächtig. Ferner kam es gehäuft zu Aborten, Frühgeburten, Totgeburten, Geburtsschwierigkeiten, zu kleinen Lämmern, zu großen Lämmern, fehlendem Schluckreflex, Schilddrüsenproblemen, frühem Lammtod und schweren Fehlbildungen.Die Meldungen kamen aus dem Rheinland, dem Saarland, Saar-Pfalz, Rheinland-Pfalz und dem Sauerland. Sie kamen oft trotz erheblichen Drucks seitens der Ziegenzuchtverbände, die Probleme nicht zu melden. Einen überdurchschnittlichen Anstieg von Zwittern, Totgeburten und Fehlbildungen wurde auch durch eine Betriebserhebung des Instituts für Tierzucht und Haustiergenetik der Universität Gießen unter der Leitung von Prof. Dr. J. Steinbach für 1987 bei den Ziegenbeständen der südlichen Bundesländer festgestellt.
  • Es gab in Westdeutschland mehr Fälle an Schilddrüsenkrebs und Leukämie…die Liste liesse soch noch fortführen

Verstrahlt geschädigtes Erbgut wird immer weiter weitervererbt, an alle Nachkommen. Auch schlimm betroffen waren die westliche Türkie, Skandinavien…und viele andere Länder Europas. Krankheiten bei verstrahlten Menschen nehmen mit den Jahren immer mehr zu, nicht ab…

Alle Krebs-Erkrankungen nehmen jährlich bis heute stetig zu. Die Spätfolgen sind dramatisch. Was soll ich sagen, ein real stattfindener Alptraum. Denkt darüber nach, ihr, die die Parteien wählen die die laufzeitverlängerung beschlossen haben. Ich bin mir bewusst, das es noch keine Alternative gibt, aber alles, alles ist besser als dieses Risiko, auf dem wir sitzen!