Herbstspaziergang

Manchmal muss man einfach raus.

Der Herbst ist in der Stadt. Und ich will raus aufs Land.

Herr, es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren lass die Winde los.

 

Bilderbuchwetter. Kondensstreifen am Himmel…es duftet nach Erde und ein warmer Wind streicht übers Land. Jetzt fehlt nur noch…

Drachen! Tatsächlich lassen kleine Kiddies mit ihren Eltern auf einer Wiese viele Drachen steigen. Ich war als Kind immer so enttäuscht wenn im Herbst nicht genug Wind dafür war.  Und das man kaum Platz hatte wegen den Hochspannungsleitungen.  Die Drachen verstaubten viel zu oft im Keller.  Diese Tradition werde ich mit meinen zukünftigen Kids fortführen. Und wenn es keinen Wind gibt, fahren wir ebens ans Meer!

Befiehl den letzten Früchten, voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin, und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Das Licht umspielt die herbstlichen Farben.Für das Birnenbild hab ich mich ins Zeug gelegt. Und als die Sonne im Hintergrund in die Wiese fiel, war es geschafft. Auf diese Aufnahme bin ich sehr stolz.

Währenddessen musste mein Freund wieder etwas länger auf mich warten.

In verwilderten verlassenen Kleingärten verstecken sind knallrote Äpfel. Verbotene Früchte…da kam selbst ich nicht näher ran. Okay in Wahrheit hab ich schon mit dem Gedanken gespielt aber nach der Birnen-Aktion hatte jemand konkrete Einwürfe gegen dieses Vorhaben…

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

Ich find immer die seltsamsten Sachen auf dem Weg. Diesmal: ne Portion Glück! Danke, kann ich brauchen.

Na, hab ihr auch Lust auf einen Spaziergang bekommen? Dann ab ins Wochenende!

 

 

Herbsttag

Herr, es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren lass die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten, voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin, und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

Rainer Maria Rilke, 21.9.1902, Paris